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Soziales Lernen an der Aggertalschule

 

Bildungsaufgabe von Schule ist es u.a. Schülerinnen und Schüler zu befähigen, selbstständig und eigenverantwortlich zu handeln. Sie sollen eigene Meinungen vertreten, sowie die Meinung anderer achten und Verständnis und Toleranz gegenüber den Entscheidungen anderer entwickeln. (Vgl. Schulgesetz NRW – SchulG, §2 (6)). Soziales Lernen ist somit ein wichtiger Bestandteil schulischen Lernens. Darüber hinaus bilden emotional-soziale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern einen wichtigen Baustein eines positiven Schulklimas, in dem sich eine gelingende Lernatmosphäre aufbauen kann.

Die Aggertalschule Donrath setzt seit Jahren das Trainingsprogramm „Gewaltfrei Lernen“ um. Hierbei werden in Trainingseinheiten mit externen Trainern und durch wöchentliche Wiederholungen innerhalb des Unterrichts Handlungswerkzeuge erlernt, um sozial-emotionale Kompetenzen bei Kindern zu stärken. Wichtige Bausteine sind z.B. die „Stopp-Regel“, in der die Kinder feste Sprach- und Handlungsmuster einüben, um frühzeitig ihrem Gegenüber die Überschreitung eigener Grenzen zu verdeutlichen und sich Hilfe zu holen. Soziale Kompetenzen wie die „liebe Mauer“ oder das „Wegholen aus einer Situation“ befähigen Kinder, sich gegenseitig zu helfen und zu deeskalieren, wenn es zu einer Konfliktsituation kommt. Ebenso erinnert die „Elefantenhaut“ als Methode der Emotionsregulation die Schüler, Konflikte zu umgehen und die Situation zu deeskalieren. „Wiedergutmachungen“ ermöglichen es den Kindern, sich für eigene Streitanteile zu entschuldigen und wieder ein friedvolles Miteinander entstehen zu lassen.

Derzeit finden auf Grund der Corona-Maßnahmen keine Trainingseinheiten mit externen Trainern statt. Weiterhin bleiben die Bausteine aus Gewaltfrei lernen aber wichtiger und konstanter Bestandteil des sozialen Lernens an unserer Schule. (Weitere Informationen z.B. unter www.gewaltfreilernen.de)

Seit dem letzten Schuljahr befinden sich das Kollegium der Aggertalschule sowie der Ogata auf dem Weg, das Bensberger Mediationsmodell (BMM) als wichtige Ergänzung an der Schule zu implementieren. Das Bensberger Mediationsmodell ist ein Modell zum Aufbau einer konstruktiven Konfliktkultur in der Schule. Kinder sollen lernen, mit vermittelnder, mediativer Unterstützung der Pädagogen, ihre Konflikte selbstständig zu bearbeiten und eine einvernehmliche Lösung für ihre Probleme zu finden. In einem weiteren Schritt sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, zunehmend ohne Unterstützung durch Erwachsene ihre Konflikte zu lösen.

Durch eine enge Verzahnung von Prävention und Intervention mit inhaltlich gleichbleibenden Abläufen erlernen Kinder Schlüsselkompetenzen wie Konfliktlösestrategien, Umgang mit eigenen und fremden Emotionen, Empathie und den Umgang im sozialen Miteinander. Im Zuge der Prävention wird an Hand von Streitgeschichten (Klassenprogramm „Anders streiten“) die Konfliktklärung nach dem BMM eingeübt. Kinder lernen im Rollenspiel nach einem klar strukturierten Sprach- und Handlungsmuster friedlich Konflikte zu lösen. Im Baustein der Intervention wird unterschieden zwischen der „Erst-Hilfe im Streit“, einer Kurzintervention, die zur Klärung kleinerer Konflikte genutzt wird und dem ausführlichen Konfliktgespräch, das im Rahmen einer Streitschlichtung zeitlich und inhaltlich besonders ausgeweitet ist. Beides erfolgt nach denselben Sprach- und Handlungsabläufen, die den Kindern aus der Präventionsarbeit schon bekannt sind. Die Erst-Hilfe im Streit kann auch durch Streithelfer, also speziell ausgebildete Schüler erfolgen. Sind die beiden ersten Bausteine gut implementiert, kann eine selbstständige Konfliktlösung der Schüler nach den gleichen Abläufen durch ein „Hosentaschenbuch“, also einen eigenen kleinen Leitfaden der Schüler eingeübt werden. (Zum Bensberger Mediatiosmodell vgl. Betting et al. 2018).

An der Aggertalschule werden zukünftig auf der präventiven Ebene in den Klassenstufen 1-4 jeweils zwei bis drei Streitgeschichten pro Halbjahr mit den Kindern bearbeitet. Eine Fortbildung der Lehrkräfte zur Umsetzung der „Erst-Hilfe im Streit“ findet 2021 an einem Ganztag statt. Die ausführliche Streitschlichtung wird von Frau Schwicking (Sozialpädagogin) wöchentlich angeboten. Die Anmeldung erfolgt freiwillig und der Inhalt ist vertraulich. Die Ausbildung von Streithelfern aus der Schülerschaft der 3. und 4. Klasse ist ab dem Schuljahr 2021/22 geplant.

Gerade der Schulbeginn stellt viele Kinder vor eine große emotionale, soziale und kognitive Herausforderung. Dem tragen wir Rechnung, indem seit diesem Schuljahr das „Verhaltenstraining für Schulanfänger“ (vgl. Petermann et al. 2016) als Präventionsprogramm zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen Bestandteil des Unterrichts der ersten Klasse ist. In diesem werden insbesondere die Bereiche Aufmerksamkeitssteigerung, Fremd- und Selbstwahrnehmung von Gefühlen, Emotionsregulation sowie Problem- und Konfliktlösestrategien geschult. Das Training findet in Form einer Schatzsuche statt, geleitet durch die Chamäleon-Handpuppe „Ferdi“. Der Umfang beträgt 24-27 Schulstunden. Bei Bedarf werden in der 2. Klasse in Kleingruppen Themen aus dem Verhaltenstraining erneut aufgegriffen und vertieft.

Ebenso besteht an der Aggertalschule die Möglichkeit, bei Bedarf auch in der 3. und 4. Klasse in Kleingruppen oder mit der gesamten Klasse ein Verhaltenstraining durchzuführen. Hierfür nutzen wir das „Verhaltenstraining in der Grundschule“ (Petermann et al. 2019). Dies umfasst bis zu 26 Fördereinheiten. Schwerpunkte sind die Wahrnehmung eigener und fremder Emotionen, Emotionsregulation, Konfliktbewältigungsstrategien und der Aufbau von Werten wie Fairness, Selbstverantwortung und Zivilcourage.

Literatur:

Betting, S., Braun, G., Mennekes, M., Püttmann, U., Schuster-Mehlich, G., Würbel, A. (2018): Kinder lernen Konflikte lösen. Das Bensberger Mediationsmodell im Primarbereich. MeMoMixGbR

Petermann, F., Koglin, U., von Marées, N., Petermann, U. (2019): Verhaltenstraining für die Grundschule. Ein Programm zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen. 3. Auflage. Göttingen: Hogrefe

Petermann, F., Natzke, H., Gerken, N., Walter, H. (2016): Verhaltenstraining für Schulanfänger. Ein Programm zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenzen. 4. Auflage. Göttingen: Hogrefe

www.gewaltfreilernen.de